Crackberry hatte die großartige Chance mit dem neuen RIM-CEO Thorsten Heins ein exklusives Telefon-Interview zu führen. Wir bieten Euch hier die deutsche Übersetzung des Gespräches.
Kevin Michaluk: Es war wirklich abgefahren, dass sie uns am Sonntag abend angerufen haben. Was für eine brillante Idee, die Fans aufzuwecken und mitzureißen. All’ unsere Mitglieder, all’ unsere Leser sie waren einfach… Alter Schwede! Sie konnten es nicht glauben.
Thorsten Heins: Ich sehe im Moment die gleiche Aufregung und Begeisterung in unserer Firma. Am Montag hatten wir unsere Mitarbeiterversammlung. Es waren 14’000 Menschen weltweit und das war das erste globale Meeting für RIM, logistisch gesehen, war es eine Meisterleistung. Ich habe mit den Leuten gechattet – viele Fragen, anregende Diskussionen – und am Ende kam ein Motto hervor. Ich muss irgendwann am Ende gesagt haben, um die Menschen zu inspirieren und die Botschaft rüberzubringen: „Let’s Rock’n Roll this!”. Und jetzt begegnet es mir überall als BlackBerry Motto. „Let’s Rock’n Roll this!” … Ich mag das.
Kevin: Thorsten, es ist dein dritter Tag in dem neuen Job. Ich will ihn nicht mehr, aber willst Du ihn noch, drei Tage später?
Thorsten: Oh, na klar. (Lacht) Ich bin gerade dabei warm zu werden. RIM kommt wieder zu Kräften und die Firma erlebt eine zusehends bessere Stimmung, frischer Wind weht in den Gängen – ich bin zuversichtlicher den je.
Kevin: Perfekt. Eine andere schnelle Frage: Hast du eine ausreichende Zeit mit iOS oder Android Geräten verbracht, so dass du die Wettbewerber kennst, gegen wen BlackBerry antritt und wie die Aktien stehen?
Thorsten: Oh, ich tue das in regelmäßigen Abständen. Erstens habe ich ein ganzes Team, das ständig die auf dem Markt befindlichen Geräte im Auge behält und ich picke mir persönlich die Smartphones heraus, von denen man mir sagt, dass sich unsere deswegen nicht verkaufen und dann mache ich meine eigenen Tests. Ehrlich gesagt, spanne ich meinen Sohn und meine Tochter ebenfalls ein, sie sind ziemlich gute BlackBerry-Tester und sie sind technik-affin und sie geben mir eine Menge guter Anstöße. Ich muss das tun; Du must wissen, wo Du stehst.
Kevin: Zum Thema Veränderungen, während der Konferenz sagtest du: „Wir glauben nicht, bedeutende Veränderungen wären notwendig”. Ganz offensichtlich sind eine Menge von Veränderungen schon im Gange, die Migration des BlackBerry OS zum BlackBerry-10-Betriebssystem, aber leider sieht es so aus, als wären die Medien und die Finanziers nicht ganz damit einverstanden. Könntest du das klarstellen und erklären, warum du nicht denkst, eine Veränderung sei notwendig?
Thorsten: Ich glaube, dass ist ein wenig in die Schwarz-Weiß-Malerei abgedriftet. Ich sprach über drastische oder erschütternde Veränderungen. Was ich damit versuchte anzusprechen, waren die vielen Vorschläge, RIM solle aufgeteilt oder sogar verkauft werden. Meine ehrliche Überzeugung ist, dass RIM die Stärke und die Vermögenswerte hat, um im Markt wirklich Erfolg zu haben. Es gibt eine Menge von Veränderungen. Es gibt eine Menge struktureller Veränderungen, es gab schon eine Menge Veränderungen in Sachen Software, unserer Software-Plattform, indem wir QNX einbrachten. Es gibt keinen Stillstand bei RIM, zu keinem Zeitpunkt.
Was ich am Markt klarstellen wollte, ist, dass wir an unsere eigene Stärke glauben.
Wir sind BlackBerry, wir sind eine Komplettlösung: Hardware. Software. Dienste. Und Netzwerk.
Tut euch selbst einen Gefallen und schaut euch an, wo die anderen OEMs stehen, die nur Smartphoneanbieter sind. Ich verrate es euch, ich war in dem Geschäft vorher. Es ist ein gnadenloser Preis- und Kostenwettlauf. Und warum sollte ich das über Bord werfen, was mich von den anderen unterscheidet?
Kevin: Ich lese immer wieder Artikel, in denen man vorschlägt, RIM solle Android einsetzen, aber ich verstehe das nicht.
Thorsten: Schauen wir uns einfach mal an, wo die Android OEMs sind. Ich überlasse das dir. Schau dir deren letzte Produkte genau an und du wirst sofort feststellen: Es gibt keinen Raum für Unterscheidung, denn sie sind alle gleich.
Wir haben uns für den härteren Weg entschieden. Ich verstehe das. Haben wir irgendwelche Verpflichtungen übersehen? Ja, das gebe ich zu. Das passiert in der Technik-Branche. Es geht hier nicht um Kekse backen. Hier werden Hightech-Produkte erstellt. Von Zeit zu Zeit treffen deine Bestrebungen und deine Entwicklungszyklen auf Schlaglöcher in der Straße, die man nicht vorhersehen konnte. Aber ich glaube, dass wir genau auf dem richtigen Weg für BlackBerry und seine Kunden sind.
Kevin: Es gab eine Menge von Fragen diese Woche, ob RIM jemals das BlackBerry-Betriebssystem lizenzieren wird und deine Antwort war, dass „wir offen für Geschäftsverhandlungen sind”. Werden wir jemals einen BlackBerry Messenger auf einem anderen Betriebssystem sehen? Es wurde angekündigt, dass RIM einen Android-Player (Amn.d.Red.: Emulator um Android Apps zu starten) ins Playbook integriert. Könnte es jemals passieren, das es mal umgekehrt sein wird? Vielleicht nicht eine vollständige Lizenzierung, aber Teile des BlackBerry-Dienstes auf anderen Betriebssystemen?
Thorsten: Man sollte so etwas niemals ausschließen. Das Geschäft ist sehr dynamisch. Es herrscht Dynamik sowohl auf Seiten der Hardware, als auch der Software. Also sage niemals „Nein” zu irgendetwas. Wir erkunden ständig unseren Handlungsspielraum und unsere Möglichkeiten andere Geschäftszweige auszuprobieren, ich würde es deshalb nicht kategorisch ausschließen. Es wird eine Zeit geben, da wird es Sinn machen und ich habe ein Team, dass sich darauf vorbereitet. Ich sage nicht, ich werde es nicht lizenzieren. Die Menschen packen das wieder in ein Schwarz-Weiß-Bild. Ich bin offen für Lizenzgeschäfte. Wenn es Sinn macht. Aber es ist nicht das, wofür ich angeheuert wurde. Ich wurde nicht berufen, um eine Lizenz-Firma zu gründen. Ich wurde berufen, BlackBerry zu neuen Glanzleistungen zu verhelfen. Und das ist es, was ich mit meinem Team anstreben werde.
Kevin: Welches sind einige der Veränderungen, um sicherzustellen, dass RIM pünktlich liefert? Gibt es eine Umstrukturierung? Was ist sonst noch geplant?
Thorsten: Es gibt eine Menge, die passiert ist und noch passieren wird. Wir könnten bestimmt eine Stunde darüber sprechen, aber lass mich es kurz machen. Zuerst kommt die Ressourcenplanung. Wozu ist mein Personal fähig, wo sitzen diese Fähigkeiten und wie viele habe ich davon, wie lauten die Namen der Leute und dann werden diese Leute bestimmten Teams zugeteilt.
In Start-Ups erledigt jeder alles. Der „Start-Up-Modus” ist super, denn es geht hier um Geschwindigkeit und die Sachen müssen einfach nur erledigt werden. Aber das skaliert sich nicht, das ist das Problem dahinter. Und deshalb ist der einzige Weg, den „Start-Up-Modus” beizubehalten, dass man kleine Teams formiert, ihnen spezielle Aufgaben zuteilt, sie dafür verantwortlich macht und ihnen die nötigen Mittel gibt, statt sie auf drei vier verschiedene Projekte zu verteilen. Das ist in der Vergangenheit passiert und das führte zugegebenermaßen dazu, dass manche Projekte übergangen wurden.
Zweitens muss eine gewisse Disziplin während des Prozesses gewahrt werden, so dass das Produkt, wenn es erst mal festgelegt ist, so auch beibehalten und realisiert wird. Unsere Strategie war bisher, das wir eine Idee für ein Produkt hatten und dieses dann ständig verbessern mussten, aber genau damit störten wir den Entwicklungsprozess. Diese Vorgehensweise macht die Leute fertig, denn sie schließen gerade ihr Projekt ab, da kommen wir an und sagen: „Hey, weißt Du was, wir wollen das hier noch ein bisschen verbessert”. Das meine ich mit Prozess. Es hat nichts mit dem Mangel an Innovation zu tun. Wir verbessern und erneuern. Ich will ein ganzes Arsenal von Mitarbeitern, die genug Freiheiten und Raum und Geld haben um zu erfinden und zu verbessern. Wenn die dann endlich sagen „weißt Du was, das ist richtig abgefahren”, dann machen wir ein Produkt daraus und wenn es in eine Form gegossen ist, wird es auch nicht mehr geändert.
Kevin: Genau, mach’ es fix und bring es raus.
Thorsten: Ja und wir waren nicht diszipliniert genug. Nochmal, es hat nichts mit unseren Mitarbeitern zu tun. Sie haben Tag und Nacht gearbeitet und sind mit voller Begeisterung dabei. Wir haben sie richtig gefordert, mit der schnellen Abfolge von BlackBerry 6 und 7 und das gleiche nochmal mit dem Playbook und BlackBerry 10. Ich möchte hier betonen, das es nicht deren Fehler ist. Es ist schlichtweg die Management-Struktur die wir in die richtigen Bahnen lenken müssen und das ist es, was wir getan haben und auch weiterhin tun werden.
Kevin: Wo wir gerade bei Mitarbeitern sind: Offensichtlich wieder ein Betriebssystemwechsel von BlackBerry OS zu BlackBerry 10, der einen Wechsel bei der Programmiersprache notwendig macht. Hast du das Gefühl, deine Mitarbeiter wechseln zügig von einer Sprache zur anderen? Klappt das so reibungslos und schnell, wie es sein muss?
Thorsten: Das ist ein guter Punkt, denn eigentlich ist das eine der größten Veränderungen über die niemand spricht, die aber passierte und weiterhin geschieht. Wir begannen mit Kernkomponenten des QNX und bauten um das neue OS herum. Und schnell stellten wir fest, unsere Ressourcen reichen dafür nicht aus, und dass wir auch noch die Mitarbeiter in Waterloo nutzen könnten. Und so wurden viele Mitarbeiter aus der Entwicklungsabteilung von BBOS OS, wie wir es intern nennen, QNX OS zugeteilt.
Es stimmt mich glücklich zu sehen, wie bereitwillig sie mitarbeiten. Wir nahmen das kurz vor den Ferien in Angriff und reorganisierten die Ressourcen richtig, die Hierarchien sind klar, die Aufgaben sind klar, man arbeitet gemeinsam – für diesen Teil der Betriebssystem-Entwicklung haben wir also eine völlig neue Ebene der Effizienz erschlossen.
Ein tolles Interview, anstatt die Probleme unter den Tisch zu kehren, geht Thorsten Heins offen damit um. Als Ingenieur weiß er, wie man Probleme angeht und löst. Naturwissenschaftler erhalten sich meist die Bodenhaftung, die die meisten BWLer nie hatten. Seine Ansprache ist viel versprechend und macht Mut. Bleibt zu hoffen, dass er seine Linie fahren kann und auch in finanziellen Angelegenheiten die Investoren überzeugen kann – denn dann dürfen wir Großes von RIM erwarten.
Seid ihr auch so begeistert wie wir? Was haltet ihr von seiner Ansprache? Viel Lärm um nichts oder sollte man erst mal abwarten? Wir sind gespannt auf Eure Kommentare.
Hi Hugo, hi Macberry + Team! Also die Übersetzung ist richtig gut, ich kann alles verstehen. Das war ne Menge Arbeit sicher.. Lässt Euch nicht entmutigen. Thom
Danke MacBerry, schönen Sonntag noch…
Ich sage auch DANKE :)
Danke für die Übersetzung! :)
02:05
Also ich fine ihr braucht einen vernünftigen Übersetzer.